Reparatur eines Motherboards am ATX-Powerconnector
Auf diese Reparaturaktion bin ich besonders stolz. Hierzu habe ich spezielles Werkzeug selbst herstellen müssen und jeder PC-Spezialist hätte ein neues Motherboard eingesetzt.
Aber zuerst zum Problem: Bei dem PC hat es immer wieder, in letzter Zeit immer öfters, unvorhersehbare Abstürze mit den unterschiedlichsten Fehlerbildern gegeben. Am Anfang konnte ich mir keinen Reim darauf machen, denn ein Memorytest meldete Fehler, reduzierte man das Memory auf die Hälfte, so trat der Fehler nicht auf. Eine Gegenprobe mit dem verbleibenden Memorybaustein brachte auch keinen Fehler. Später ist dann die Grafikkarte abgestürzt und wurde vom Bios nicht mehr erkannt. Die Grafikkarte funktionierte aber in einem anderen PC und die aus dem anderen funktionierte dann auch in diesem. Sehr seltsam. Dann aber wurde es immer schlimmer und unerträglich, aber alles scheinbar absoulut unzusammenhängende Fehler.
So wurde es Zeit, den PC mal gründlich zu zerlegen und eine optische Kontrolle durchzuführen. Dabei wurden natürlich alle Steckkarten entfernt und auch das Motherboard ausgebaut. Da kam es dann zum Vorschein:

Der ATX-Powerconnector hatte sich bei einigen Anschlüssen braun verfärbt.
Da müssen die Kontakte eine größere Temperatur entwickelt haben, dass solch eine Verfärbung auftritt. Nach einem Blick in die Anschlußbelegung dieses Steckers war es klar: Es sind die 5 Volt, welche hier geschmort haben. Dass dann der ganze Computer zu spinnen beginnt ist mir damit sofort klar gewesen.

Problem erkannt...

Aber die Lösung? Ein neues Netzteil und ein neues Motherboard!
Folge: Neue CPU und neues Memory erforderlich. Wo wir doch erst auf 1GB Memory aufgerüstet haben und die Leistung der CPU immer ausreichend war.
Kaputt ist das Motherboard eigentlich ja nicht, nur der Stecker ist nicht mehr zu gebrauchen. Jetzt könnte mann den Stecksockel auslöten, die Kabel des Steckers dann Stück für Stück direkt in die Sockelanschlusslöcher in die Platine löten. Das wäre sicher ein Möglichkeit, welche auch die Beschaffung eines neuen Netzteiles ersparen würde. Damit wäre es aber untrennbar mit dem Motherboard verbunden. Das gefiel mir gar nicht.

Aber wenn ich schon den Stecksockel vom Motherboard auslöten muß, dann kann ich eventuell auch einen neuen einlöten.

Und als alter Bastler hat man da irgendwo ein defektes Motherboard in der Bastelkiste, aus der man den Stecksockel auslöten kann.
Dazu war aber ein Werkzeug notwendig, welches das Auslöten erlaubte, ohne den Stecksockel zu beschädigen. Nun war ich auf der Suche nach TElen, aus denen man solch ein Werkzeug für meinen Ersa-Lötkolben herstellen konnte.
Es war auch gleich ein Test gewesen, dass beim Auslöten auch die Platine des Motherboards nicht beschädigt wird.

Der „neue Stecksockel“ ist eingelötet und die Platine wurde von Lötspritzern gereinig. Nach einer grünlichen Sichtkontrolle konte das Motherboard und ein neues, kräftigeres Netzteil eingebaut werden.
Nun aber zu dem Spezialwerkzeug. Dieses habe ich aus Messing gebaut, weil dies ein leicht zu verarbeitendes MAterial ist. Man kann es bohren, schleifen, fräsen und hartlöten. So habe ich aus 2 Messingteilen - Einer dicken Schraube und einem Rundmetall-Rest aus der Wasserversorgung dieses Teil zusammengebaut. Das Gewinde ist deutlich zu erkennen.

Die Bohrung geht von oben bis unten durch die Schraube, welcher 2 Seiten des Sechskants entfernt wurden. Darunter befindet sich quer die Messingstange, welche an der Unterseite abgeflacht wurde.

Die kleine Bohrung am Schraubenende ist zur Fixierung am Lötkolben. Mit seitlichen Einfräsungen wurden Kammern zur Aufnahme der Sockelstifte gemacht, damit diese in ein Lötbad komplett eintauchen und genügend Wärmeenergie übergeben werden kann, um alle Stifte gleichzeitig freizuschmelzen.

Siegerpose: Das Lötwerkzeug har den defekten Stecksockel beschädigungsfrei aus dem Motherboard entfernt!
Hier noch eine Komplettansicht des Motherboards mit dem neuen Stecksockel

Eingebaut und verkabelt. Mit einer Kunststoffspirale umwickelt sind die Netzteilkabel leichter zu bändigen.

Nach siebeneinhalbstunden Memorytest ist es nun klar: Der PC funktioniert wieder ohne Probleme und hat auch wieder die Leistungsstarke nVidia Grafikkarte eingebaut.

Happy End
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